Big Blast in Frankfurt

WP_20140202_10_04_39_ev0_ProFrankfurt’s 116-metre university tower, built in 1972, has been demolished using almost one ton of explosives. Police estimate that 30,000 people gathered in the center of Germany’s financial hub Frankfurt to watch the spectacular demolition. I was one of the lucky spectators standing only 250 metres away from the collapsing tower at 10:03 a.m. on Sunday morning, covering this event with some stunning pictures (please see more below). The “AfE Tower” is the highest-ever building in Europe to have been demolished using explosives.

10… 9… 8… Eduard Reisch, the master chief for this big blast, used a megaphone counting down to zero. 3… 2… 1… Silence! — A massive blast a million times heavier than the biggest New Year’s cracker followed by a strong air pressure wave reaching my chest and a shock wave making the ground under my feet shake like a little earthquake. Never before had I ever experienced such a big construction explode. This was spectacular!

For me it was especially amazing to see how precisely the group of thirty-five demolition experts had planned this to not damage any surrounding buildings or even trees standing only a few metres away from the demolition site. “It is almost hundred percent possible to blow up such a building without hurting people or neighboring buildings,” Eduard Reisch said to media representatives before the explosion. According to media reports, barriers of up to six-metres-high were erected around the skyscraper to prevent any damage to nearby constructions. Water canisters, each containing 1,000 liters, were blown up along with the building to stop too much dust being produced. Two new high-rise office buildings are to be constructed on the site.

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Kein Mensch wie jeder andere

Nachdem dein Zug am Bonner Hauptbahnhof satte siebzig Minuten Verspätung hatte, freust du dich nun auf ein Nickerchen. Und auf eine tolle Aussicht bei der Fahrt durch das obere Mittelrheintal, das seit 2002 in der UNESCO Weltkulturerbeliste steht.

Dieser Tag ist ein ganz besonderer. Und nach wenigen Minuten Fahrt spricht dich ein ganz besonderer Mensch an. Nicht nur das, er stellt sich sogar in die leere Sitzreihe hinter dir und beugt sich über deine Lehne, als würde er dich bereits jahrelang kennen. Er ist Mitte Zwanzig, hat einen starken Sprachfehler und riecht nach ungewaschenen Klamotten. Sein Name ist Safak. Er bittet dich, eine kostenlose WhatsApp-Nachricht an seinen Freund in Saarbrücken zu schreiben. Dieser erwarte ihn bereits und wüsste noch nichts von seiner verspäteten Ankunft, sagt Safak. Er zeigt dir sein analoges Klapphandy und sagt, er habe kein Guthaben mehr zum Telefonieren. Bereitwillig lässt du dir die Nummer des Saarbrücker Freundes geben, Safak diktiert dir die Nachricht. Im nächsten Moment kommt er in einen für dich nur schwer verständlichen Redeschwall. Du hörst Dinge wie “Darum bin ich sehr traurig”, oder “Ich finde es schlimm, dass das passieren musste”, kannst es aber aus dem Zusammenhang gerissen nicht zuordnen und verstehst es kaum. Seine Art zu sprechen erinnert dich ein wenig an die Art wie gehörlose Menschen kommunizieren, die zusätzlich zur Zeichensprache weiterhin Worte formen, die sie selbst nicht hören. Du bittest ihn, sich in dieser WhatsApp-Nachricht auf das Wesentliche zu konzentrieren und schlägst ihm eine Formulierung vor, die von der Abholung am Saarbrücker Bahnhof handelt. Er liest sie sich durch, ist einverstanden und bittet dich, die Nachricht abzuschicken.

In jeder einzelnen der nächsten zehn Minuten fragt er dich, ob eine Antwort eingetroffen sei. Bis du ihm freundlich aber bestimmt sagst, dass du dich melden wirst, sobald eine Antwort eintrifft. Daraufhin wird er unruhig — äußerst unruhig! Er hebt seine Arme, nimmt die Hände hoch als würde jemand mit einer Waffe auf ihn zielen und beginnt, wild mit den Armen zu wedeln und die Hände zu schütteln. Dabei verzerrt er sein Gesicht bewusst oder unbewusst zu einer Mimik, die wie eine Drohgebärde anmutet und schnauft laut ein und aus. Das macht er etwa eine Minute lang, ohne dich direkt anzuschauen, und du weißt nicht ob es dir Angst macht oder ob du es lustig finden sollst. Du hast so etwas noch nie zuvor gesehen.

Nach dieser aufregenden Minute beruhigt sich der junge Mann langsam wieder und setzt sich zurück an seinen Platz in einer Vierer-Sitzkombination mit Tisch. Safak trägt eine gelbe, schief sitzende Pudelmütze aus dicker Wolle, an der er ständig herumzupft, dazu eine winterliche Kapuzenjacke. Vor ihm steht sein Laptop, den er genau wie sein Handy aus jeweils einer Steckdose mit Strom versorgt. Er spielt ein komplexes Fußballmanagerspiel und schaut dabei immer wieder auf sein Telefon. Plötzlich klingelt es. Er nimmt den Anruf entgegen und lauscht dem Gesprächspartner nur kurz, ohne etwas zu sagen. Vielleicht wurde die Verbindung unterbrochen, denkst du dir. Sofort berichtet dir Safak, dass dies eben sein Vater war, mit dem er große Probleme habe. Wenn du es richtig verstanden hast, ist Safak weggelaufen und sucht nun spontan Unterschlupf bei einem Freund in Saarbrücken. Du schaust auf den Zugplan. Es ist 23 Uhr, Saarbrücken wird er frühestens gegen 1 Uhr in der Nacht erreichen.

Als dein Handy auch nach einer halben Stunde keine Antwort auf seine WhatsApp-Nachricht empfängt, bittet Safak dich, jemanden anzurufen. “Es ist sehr wichtig”, sagt er, “– ist alles ganz schlimm.” Er zeigt dir den Kontakt auf seinem Handy, den du anrufen sollst. Du schaust ihn fragend an, weißt nicht so recht was du sagen sollst, ziehst deine Schultern hoch und versuchst, ihm möglichst freundlich aber leider nicht besonders eindeutig zu vermitteln, dass du das jetzt eigentlich nicht tun möchtest. Er schaut provokativ in eine andere Richtung, hält dir aber weiterhin sein Display hin. “In Ordnung, dann diktier’ mir am besten die Nummer”, hörst du dich plötzlich sagen und weißt dabei nicht, wohin das führen soll. “Wen rufe ich da jetzt eigentlich an?,” fragst du ihn. “Guido”, sagt er. “Nein, besser sagst du Herr Müller,” fügt er hinzu. “In welchem Verhältnis steht ihr, was soll ich ihm sagen und ist es nicht schon ein bisschen spät?”, frage ich weiter. “Bitte ruf ihn jetzt an! Ist wichtig!”, unterstreicht Safak die Dringlichkeit der Situation, die du in seinen Augen noch immer nicht zu erfassen scheinst.

Du tust was er sagt und wählst die Nummer vom Herrn Müller. Es klingelt. Viermal, sechsmal, keine Mailbox. Du legst auf und sagst deutlich in seine Richtung: “Es geht niemand ans Telefon.” Safak springt auf und marschiert jetzt aufgeregt den Gang des InterCity auf und ab. Du merkst, dass er einer Dame, die in der Sitzreihe neben dir sitzt, mit seinen wilden Armbewegungen und seinem beängstigenden Gesichtsausdruck Angst bereitet. Sie hält sich eine Hand vor den Mund und atmet manchmal kurz und erschrocken ein, so dass du den Hauch ihres Atemzuges hörst. Auch deshalb beschließt du, Safak auf sein Verhalten anzusprechen. Du fragst ihn, ob er aufgeregt sei und was die Bewegungen zu bedeuten hätten. Ganz plötzlich lässt er überrascht beide Arme fallen und fasst sich mit einer Hand beschämt an seine Mütze. Er sagt, dass er sehr traurig sei. Außerdem fügt er nur das Wort “Psyche” hinzu, schaut wieder in eine ganz andere Richtung und kommuniziert so auf seine ganz eigene Weise mit dir. Du verstehst, dass ihm die Bewegungen unangenehm sind, er jedoch in diesem Moment nichts dagegen tun kann. Er beruhigt sich ein wenig und setzt sich wieder an seinen Laptop.

Nach wenigen Minuten piept es. Plötzlich springt er auf, stürmt mit aufgerissenem Mund auf dich zu und streckt dir sein aufgeklapptes Handy entgegen. Für dich kaum verständlich sagt er: “Lies mal die Sms und antworte auf die Nachricht, bitte.” Das Wort “bitte” zieht er sehr lang und spricht es in einer klagenden Weise und sehr viel klarer aus als den Rest dieses Satzes. Du schüttelst den Kopf. “Doch, ist ganz wichtig, lies’ bitteee”, sagt er und hält dir sein Handy vor die Nase. Du ergibst dich ihm und nimmst das Handy mit der aufgeschlagenen SMS in deine Hand. Auf dem Display steht: “Safak! Hör auf, mich ständig anzurufen! Du bist ein Stalker, du bist ein Verbrecher! Du hältst keines deiner Ehrenworte! Ich habe jetzt genügend Beweise gegen dich und werde die Polizei verständigen! Ruf mich nicht mehr an! Und zieh da nicht immer andere mit rein!” Du gibst ihm das Handy zurück, schaust ihn an und sagst ihm in klaren Worten, dass du ihm nicht weiter helfen kannst.

Es ist spät geworden. Vom Weltkulturerbe hast du in der Dunkelheit fast gar nichts gesehen. Als du aussteigst, verabschiedest du dich von Safak. Er schaut nur kurz hoch, schiebt seine gelbe Wollmütze zurecht und widmet sich wieder seinem Fußballmanagerspiel.

Dein Status: Arbeitssuchend

Arbeitsagentur

Dein Statussymbol

Es ist Freitagabend, du stehst nicht an einer Bar und bist nicht komplett besoffen. Du bist nicht einmal angebrütet. Ganz im Gegenteil: Du scrollst mit deiner Maus durch die Stellenangebote des heutigen Tages, trinkst Grünen Tee und hörst Mechanical Bull, das neue Album der Kings of Leon. Das Probeabonnement deines Spotify Premium-Accounts läuft bald aus und du wirst es rechtzeitig kündigen. Auch wenn der Konsumhahn deines Lebens noch vor einem halben Jahr weit aufgedreht war, steht er jetzt auf Sparflamme.

Du warst erfolgreich. Du wurdest gebraucht. Das was du produziert hattest, wurde genutzt, um die Welt und vor allem deinen Arbeitgeber ein kleines bisschen besser zu machen. Nach einem halben Jahrzehnt voller neuer beruflicher Erfahrungen, interkultureller Begegnungen und einem Leben, das sich viele tausend Kilometer von deiner eigentlichen Heimat abspielte, findest du dich nun in einer konsumhungrigen deutschen Großstadt wieder. Aus so großer Entfernung sah diese Stadt wie Heimat aus. Und je genauer du hinschaust, desto besser gefällt es dir hier.

Kurz vor dem Ende wirst du überaus wichtig und deine Aufgaben haben höchste Priorität.

Besonders die letzten zwei Wochen in deinem befristeten Arbeitsverhältnis sind überdurchschnittlich arbeitssam. Du kennst das von deinen Urlauben. Immer wenn sich andeutet, dass du eine Weile weg bist, wirst du plötzlich für viele Kollegen überaus wichtig und all deine Aufgaben haben höchste Priorität. Jetzt musst du zusätzlich die Übergabe an deinen Nachfolger vorbereiten, deine alltäglichen Aufgaben erledigst du nebenbei. Die Arbeitstage sind lang. Einige Kollegen fragen dich, für wen du dich noch so ins Zeug legst. Du stehst auf einen ordentlichen Abgang.

Am Morgen eines solchen Tages, in der letzten Arbeitswoche, stehst du um 6:30 Uhr auf und befindest dich noch vor 8 Uhr am Schalter der Agentur für Arbeit. Du musst dich dort noch vor deinem letzten Tag in Lohn und Brot persönlich melden, so will es das Gesetz. Es hat etwas von einem Morgenappell bei der Bundeswehr. Du meldest dich mit deinem Namen, deiner derzeitigen Arbeitssituation, deiner Wohnadresse und einem bestimmten aber möglichst freundlichen Gesichtsausdruck. Kein Grinsen! Denn zum Grinsen ist dir nicht zumute. Und die frühe Tageszeit ist ausnahmsweise nicht der Grund dafür. Dein aktueller Status: Arbeitssuchend.

Du gehst mit einem Lächeln, und nicht mit leeren Händen.

Die Abschiede im Büro bringst du hinter dich. Es ist nicht so schlimm wie du erwartest. Denn wie sagte schon Hermann Hesse in seinem Gedicht Stufen: “Und jedem Abschied wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.” Genau diesen Zauber erlebst du ganz persönlich. Du bekommst sehr viel Besuch in deinem Büro, ob mit oder ohne Einladung. Es sind vor allem diejenigen, die dir etwas mit auf den Weg geben wollen — ein Wort des Abschieds oder eine kleine Erinnerung. Sobald das letzte Glas Sekt und der letzte Kuchenteller in der kleinen Teeküche neben deinem Büro abgewaschen sind, ist es für dich Zeit zu gehen. Du gehst mit einem Lächeln, und nicht mit leeren Händen.

6,6 Prozent aller potenziellen Arbeitnehmer in Deutschland sind arbeitslos. Das waren im September 2013 etwa 2,8 Millionen Menschen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit im besten Drittel. Nicht ganz so rosig sieht die Entwicklung der befristet Beschäftigten aus. Der Anteil derer, die sich bereits bei Vertragsunterzeichnung Gedanken machen mussten, wie es in einem oder zwei Jahren weitergeht, stieg von etwa 4,5 Prozent im Jahr 1996 auf nun fast 10 Prozent. Anstellungsverhältnisse werden demnach immer kürzer und die langfristige Lebensplanung wird anspruchsvoller. Du bist direkt betroffen von dieser Statistik. Was erwartest du von der kommenden Zeit? Welche Pläne hast du? — Du kannst diese Fragen nicht beantworten. Nicht jetzt. Was du brauchst ist Zeit. Und Ruhe. Denn wenn du die letzten Wochen und Monate Revue passieren lässt, wird dir eines klar: Die Arbeit war eine Domina. Du erfülltest deine Aufgaben sorgfältig und über die Erwartungen vieler hinaus — die Peitschenhiebe spürtest du trotzdem.

Du erfülltest die Erwartungen. Die Peitschenhiebe spürtest du trotzdem.

Pläne sind etwas Gutes. Sie sind wichtig für ein Vorankommen und ein Erreichen. Du bist ambitioniert und deine Umwelt ist es auch. Also schmiedest du große Pläne. Auch weil es sich einfach gut anfühlt, darüber zu reden und sich auf etwas zu freuen. Gemeinsame Pläne schweißen zusammen. Wenn es keine großen Pläne gibt, schmiedest du viele kleine. Du kannst nicht anders, du schwimmst im Strom, um dich herum überwiegen die Eindrücke, die dir sagen: Lass uns etwas trinken gehen! Komm’ mit zu dieser Party! Geh’ mit ins Kino! Lass uns morgen gemeinsam frühstücken! Kommst du im Winter mit uns Skifahren? — Das alles willst du. Das alles kannst du. Es macht dir sogar sehr viel Spaß, eigentlich. Aber wie lange und — wie fühlst du dich dabei?

Du bist in der seltenen Situation, nun deinen Alltag selbst einteilen zu können und das zu machen, was für dich in diesem Moment am sinnvollsten ist und, ganz praktisch gesehen, was am wenigsten Geld kostet. Dabei hast du die Möglichkeit, mehrere Gänge herunterzuschalten, zu verarbeiten, nachzudenken, auszuholen. — Hättest du ihn vielleicht schon früher einlegen sollen, diesen Boxenstopp? Dieses Verharren in der Boxengasse bis der Tank wieder voll ist und du die passenden Reifen für die aktuelle Wetterlage aufgezogen bekommst. Kannst du dir diesen Boxenstopp überhaupt leisten? Wie wird sich das Fahrerfeld in der Zwischenzeit verhalten, wer wird dich überholen, wer wird dich vergessen? Wird es deinen Beziehungen schaden? Wie fühlt sich diese Unsicherheit für dich an?

Mehrere Gänge herunterschalten. Verarbeiten, nachdenken. Ausholen!

Wenn dich jemand fragt, was du den ganzen Tag machst, findest du das in erster Linie unangenehm. Dennoch findest du Freude an deinem aktuellen Alltag. Du findest Gefallen an scheinbar banalen Dingen: Drogerien sind tagsüber ganz stressfrei und leer. Nur vor dem Fotoautomaten am hintersten Ende des Ladens bilden junge Mütter Schlangen aus Kinderwagen. Auf den Bildschirmen der Automaten sind Bilder von Kindern in den unterschiedlichsten Lebenssituationen zu sehen. Da ist vom ersten Kacka bis zum letzten Sommerurlaub auf Gran Canaria alles dabei. Neulich hast du zum ersten Mal in deinem Leben gesehen, dass Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs um 9 Uhr morgens von einer Reinigungsfirma mit einem Hochdruckreiniger gesäubert werden. Das hattest du vorher nie gesehen! Wie auch, du warst ja im Büro.

Wenn dich also jemand fragt, was du den ganzen Tag machst, dann weißt du, dass du versuchst jeden einzelnen Tag zu einem produktiven Tag zu machen. Du willst, dass dich jeder Tag in irgendeiner Art und Weise weiter bringt. Das ist ambitioniert, funktioniert aber meistens — nur sieht es niemand! Rechenschaft dafür ablegen willst du dennoch nicht. Auf die Frage antwortest du neuerdings knapp und nicht immer wahrheitsgetreu: “Ich genieße mein Leben.”

Auf der Suche nach Anerkennung – Unsere Sichtbarkeit im digitalen Raum

Radtour September 2013Es war einer dieser verkopften Tage, an denen es äußere Eindrücke schwer hatten, in mein Innerstes vorzudringen. Nach einer weniger romantischen Radtour durch das städtische Industriegebiet fand ich zurück auf meine geplante Route am Ufer entlang und setzte mich in ein Restaurant auf der nördlichen Mainseite. In gewisser Weise sollte ein Pfannkuchen mit Vanilleeis als Kompensation für die anstrengende Fahrt und den damit verbundenen sportlichen Einsatz dienen. Ein direktes Hallo an das Belohnungszentrum in meinem Gehirn hätte jetzt eigentlich für Genuss und Wohlbefinden in meinem Körper sorgen müssen. Irgendetwas fehlte. “Entschuldigung,” sagte ich zur Kellnerin, “könnte ich bitte noch eine Portion Sahne bekommen?!” — Ob es das war?

Der Milchkaffee war noch halb voll und ich kam ins Grübeln. Aber wieso? Warum konnte ich nicht einfach abschalten und den Geschmack dieses wunderbaren Pfannkuchens genießen? Ich stand auf, um das Örtchen zu suchen. Eine Treppe hinter dem Restaurant führte in den Keller. Ich zog eine schwere graue Stahltür auf und ging hinein. Alles war sehr gepflegt und sauber, so wie ich es mag. Ich schaute nach rechts: Die Wand war vollständig verspiegelt. Ich richtete mein vom Winde verwehtes Haar und schaute nach links: Uuufff! Was war da los? Ich war verwirrt! Ein ordentlicher Schuss Adrenalin strömte in meinen Körper, auf merkwürdige Weise wohltuend. Einen Moment lang hatte ich gedacht, ich sei unsichtbar. Ich war schockiert!

Adrenalin strömte in meinen Körper. War ich unsichtbar?

Die Raumaufteilung schuf in mir den Eindruck, er sei auf beiden Seiten verspiegelt. Eine in der Mitte befindliche Mauer, in der zwei Waschbecken eingelassen waren, führte dazu, dass ich über den beiden Becken einen großen Spiegel erwartete, eben wie auf der anderen Seite. Die Wand endete jedoch auf halber Höhe, ich konnte darüber hinwegschauen. Was ich sah war nicht etwa wie auf der anderen Seite mich selbst, sondern eine Reihe grauer Türen und alles andere was zu einem öffentlichen Örtchen gehört.

Ich verrichtete was zu verrichten war und begab mich wieder an die Oberfläche. Der Schaum des Milchkaffees hatte in der Zwischenzeit die hellbraune Brühe darunter preisgegeben, letztere war nun kalt. Warum hat es mich so schockiert, mich nicht im Spiegel zu sehen? Wie wichtig ist mir Sichtbarkeit? Was macht sie mit mir? Und welche Rolle spielt dabei mein Ego? Ich hoffe keine tragende, denn sobald sich das Ego eines Menschen einschaltet, wird es kompliziert.

Ich grübelte weiter. Siebenhunderttausend Menschen leben und arbeiten in Frankfurt. Die einen konzentrieren sich mehr auf das Leben, die anderen auf das Arbeiten. Auffällig viele konzentrieren sich auf ihr Smartphone. Einige so sehr, dass sie in Situationen des alltäglichen Lebens ihre Umwelt nur noch rudimentär wahrnehmen. Aber warum? Ist die digitale Realität die neue Realität des einundzwanzigsten Jahrhunderts? Welche Rolle spielen dabei die Sichtbarkeit und das Ego eines jeden? — Und bin ich schon einer von denen?

Sobald sich das Ego einschaltet wird es kompliziert.

Sobald das Leben denen eine Pause gibt, zücken die ihr Smartphone, verabreden sich, tauschen Konsens und Nonsens aus und schauen wie ihnen das eine oder andere soziale Medium ein paar Ego-Punkte verschaffen könnte. Manchmal passiert auch gar nichts: ‘Mist, es hat schon wieder niemand geschrieben. Ok, dann muss ich wenigstens irgendetwas liken, um Aufmerksamkeit zu erregen und Interaktivität zu erzeugen. Denn sonst bin ich unsichtbar, und unsichtbar zu sein tut meinem Ego weh. Es braucht Aufmerksamkeit.’ — Und diese bitte mit Sahne!

Die berauschende Wirkung von medialer Aufmerksamkeit und der ständigen Erreichbarkeit im globalen Raum hat längst Kurs auf die Effizienz und die Gesundheit unserer Gesellschaft genommen. Wenn ich mir die Nutzerzahlen des Facebook Chats an einem Montagvormittag oder wochentags kurz nach der Mittagspause anschaue, bin ich verblüfft. Da leuchten während der Arbeitszeit viele grüne Lämpchen. Diese Lämpchen zeigen an, wer online ist und wer vielleicht sogar gerade chattet. Im Gegensatz dazu habe ich beobachtet, dass in derartigen Chats, Foren und auch in Blogs wie diesen hier am Wochenende gähnende Leere herrscht.

Die Zeit, die wir offline genießen, reguliert die Flucht in den digitalen Raum.

Im Vergleich zu der Zeit, welche die Menschen investieren, um ihre Arbeitsleistung in Geld zu verwandeln, scheint die Freizeit immer noch einen ganz besonderen Stellenwert zu besitzen. Dieser hohe Stellenwert der Zeit, die wir offline bewusst genießen, reguliert das gesellschaftliche Symptom der Flucht in den digitalen Raum.

Seit ein paar Tagen habe ich auch ein Smartphone. Gefehlt hatte es mir nicht, in der Hand halte ich es jetzt trotzdem ständig. Ich sollte öfter Radfahren.

Eine Nacht auf der Ranch VIII – Das Schicksal der Mustangs

Wie alles begann: Eine Nacht auf der Ranch I – Die Ankunft

Als sie dem Tor näher kommen, hören sie ein merkwürdiges Geräusch. “Was ist das denn? — Knirscht das? Knarpscht das? Wonach hört sich das an?”, fragt Austin aufgeregt. “Hört sich an, als würde da ein großer hungriger Vegetarier etwas sehr strohiges zermahlen”, sagt Jeff. Als sie das Tor öffnen steht dort jemand gegen einen Findling gelehnt. Austin tritt als erster heraus und “Uuuuufffff!” erschreckt sich, weil plötzlich direkt neben ihm ein Pferd steht. Das Appaloosa der alten Dame.

Als sie die Männer sieht, stützt sich die alte Dame vom Stein ab, kommt auf sie zu und begrüßt sie mit weicher freundlicher Stimme: “Welcome to Cerpat Valley. How are you?” “Well, thanks, and how are you, Madam?”, reagiert Austin immer noch aufgeregt und versucht sein deutlichstes Englisch aufzulegen. “Ihr fragt Euch sicher, was da oben los ist und woher plötzlich die Mustangs kamen.” “Sie sprechen Deutsch?”, erwidert Austin verblüfft. “Nun ja, ich habe schon wieder viel verlernt. Meine Vorfahren waren deutsche Auswanderer zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Meine Eltern und Großeltern haben sehr viel Wert darauf gelegt, dass ihre Kinder die deutsche Sprache beherrschen.”

Ich öffnete das Tor, um die Tiere in Sicherheit zu bringen.

“Und was ist jetzt mit den Mustangs?”, fragt Christian neugierig. “Ja, wissen sie, was da oben los ist? Wo kamen die vorhin so plötzlich her und warum?”, fügt Austin hinzu. “Diese Leute hier sind der größte Feind der Cerpat Mustangs”, antwortet die alte Dame und es scheint, als zögerte sie fortzufahren. “Diese Ranch kam uns von Beginn an komisch vor”, sagt Christian. “Diese Ranch ist nur eine von vielen in dieser Gegend. Es wird sich zeigen, was die da oben mit den Tieren machen. Eigentlich hat die Ranch einen guten Ruf, daher dachte ich, die Pferde wären hier erstmal sicher.”

“Sie dachten,… bedeutet das, dass sie die Tiere…?”, Austin kommt ins Stottern. “Ich habe sie nicht hier her getrieben, nein. Als einzelne Person ist das unmöglich. Ich habe lediglich das rettende Tor auf der anderen Seite der Ranch geöffnet, um die Tiere — hoffentlich — in Sicherheit zu bringen.” “In Sicherheit?”, wiederholt Christian, “wovor?”

“Diese letzten kleineren Herden der Mustangs in den Cerpat Mountains und dem Cerpat Valley zerstören das Weideland der Besitzer der Viehzucht-Ranches. Die Rinder brauchen in dieser trockenen Region überdurchschnittlich viel Weideland, da kommen den Viehzüchtern die wilden Mustangs in die Quere. Der Staat hat die Jagd auf die Tiere jedoch verboten, da sie sich — obwohl sie aus einem völlig fremden Ökosystem stammen und die endogene Tierwelt stören könnten — gut an die natürlichen Gegebenheiten angepasst haben. Was ich meine ist — sie richten verhältnismäßig wenig Schaden an, stören aber die Viehzucht und die Profitgier der Rancher.” Die alte Dame macht eine Pause, schaut erst in den Sand und dann zu ihrem Appaloosa. “Daher werden die Tiere nachts mit Pferden, Hunden und teilweise mehreren dieser Pick-up Trucks zusammengetrieben, um sie dann ….”, sie wischt sich eine Träne von ihrer Wange, ihre Stimme wird brüchiger, “…auf große Viehtransporter zu verladen und nach Ensenada zu transportieren. In Mexiko werden die Mustangs zu Tierfutter verarbeitet.”

In dieser kalten, sternklaren Nacht erzählt die alte Dame den vier Reisenden noch lange von ihren Erlebnissen mit den Cerpat Mustangs und ihrem einsamen Kampf in der harschen Welt der Rancher und Cowboys. Den Männern fehlen in dieser Nacht noch lange die Worte. Nach einer herzlichen Verabschiedung setzen sie ihren Weg fort. Nächstes Ziel: Las Vegas.

Wie alles begann: Eine Nacht auf der Ranch I – Die Ankunft

Eine Nacht auf der Ranch VII – Lasst die Hunde los!

Wie alles begann: Eine Nacht auf der Ranch I – Die Ankunft

Evalee tritt an den Tisch und versucht, die Musik von Adams zu übertönen: “Would you like another beer?” Die Gruppe erwidert ein non-verbales aber eindeutiges No, thanks! Jeff bestellt die Rechnung. Adams dreht jetzt richtig auf. Er schlägt in die Saiten und singt dazu. Im Refrain und in einigen Zwischenspielen mundharmoniziert er virtuos. Evalee bringt die Rechnung und bleibt mit vor ihrem Bauch gefalteten Händen hinter Jeff und Mathew stehen. Christian schaut ihr ins Gesicht und beugt sich zu Austin: “Hast du das gesehen?”, flüstert er. “Nee, was denn?”, antwortet Austin. “Na das Zeichen eben. Sie hat unserem Countryfreund hier gerade diesen Blick zugeworfen.” “Was denn für einen Blick?” “Nicht was du denkst! Sie zog ihre Augenbrauen hoch und zeigte mit der Nase in Richtung Ausgang”, erklärt Christian und schaut Austin nun mit großen Augen an.

Casey Adams spielt die letzte Strophe seines viel zu langen Songs über Freiheit, Rinder und harte Kerle. In diesem Moment kommt der merkwürdige Koch aus der Küche, der die Jungs vorhin vor der Hütte so erschreckt hatte. Er stellt sich einige Meter vom Tisch entfernt in den Türrahmen. Daneben stellt sich eine ältere Dame, seine Küchengehilfin – oder vielleicht sogar die Chefin vom Ganzen? “Wieso werden die denn auf einmal alle so unruhig?”, fragt Mathew in die Runde. “Stimmt irgendetwas nicht? Haben die Angst, dass wir abhauen ohne zu bezahlen?” “Irgendwas passiert da draußen”, munkelt Christian.

Der Rücken ihres Pferdes dampft in der Kälte der Nacht, als die zierliche Frau mit schulterlangem weißen Haar am Fuße der Anhöhe zum Stehen kommt. Sie steigt von ihrem Pferd und streicht dem Tier über das Fell. Es ist kein Mustang, sondern ein braun-weiß geflecktes Appaloosa – eine sehr ruhige und gelassene Rasse spanischer Abstammung, die in Nordamerika besonders im Westernsport und in der Rancharbeit beliebt ist. Sie lässt die Zügel locker herunterfallen und setzt sich einige Meter entfernt auf einen großen Findling. Ihr sonnengegerbtes Gesicht zeugt von einem Leben in der freien Natur. Ihre mit traditionellen Mustern bestickte fransige dunkelbraune Wildlederbluse zeugt von einer gewissen Verbundenheit den Native Americans gegenüber, ihre Bluejeans und die Westernstiefel lassen eine Sozialisation im Kulturkreis der Rancher und Cowboys vermuten.

In der Hütte hängt Casey Adams seine Gitarre zurück an die Wand und nimmt sein Mundharmonikagestell ab. “Ick habe eine neue Album gemackt. Meine dreiundzwanzigste schon.” Er kramt in seiner Manteltasche und holt drei CDs heraus. “Have a look — and when euch gefällt ihr könnt kaufen.” Mathew schaut belustigt in die Runde und flüstert zu Jeff: “Das Schwierige bei der Selbstvermarktung ist immer, die eigene Geldgier zu verbergen.” Adams fährt fort: “Ick habe eine große Familie. Meine Frau ist die wicktigste Person in meine Leben. Sie hat mir geschenkt sieben Kinder.” “Sieben?”, fragt Mathew überrascht. “All from the same woman, I promise!”, schwört Adams und lacht. “Wisst ihr, für uns Cowboys es ist wicktig, unsere Traditionen — to keep them alive. Und auch unsere Race.” Christian tippt Austin ans Bein. Sie schauen sich ungläubig an, als trauten sie ihren Ohren nicht. “Viele Sachen haben sich in die letzte zehn, fumpfzehn Jahre geändert in unsere Land. Mit meine große Familie will ick die weiße Americans helfen, — äääh, wie sagt man in Deutsch ‘to stand up’ — für unsere Land zu kämpfen.”

Mathew, Jeff, Christian und Austin stehen auf, bedanken sich freundlich für die Musik und das Essen. Zügigen Schrittes bewegen sie sich in Richtung Ausgang, an dem Evalee bereits an der Kasse wartet: “Hundred thirty-eight dollars and eighty cents, please.” “It goes on me”, drängt sich Mathew in den Vordergrund, stützt seine rechte Hand auf die Theke und vergisst aber, sein Portmonnaie zu zücken. “Ne nee, lass mal, ich mach das schon”, bestimmt Jeff und hält Evalee einen Schein hin. Jeff nimmt das Wechselgeld entgegen, lässt das Trinkgeld liegen und geht an die Tür, an der bereits die anderen beiden warten. “It was a pleasure to meet you”, säuselt Mathew. “Likewise. Bye bye.”, erwidert Evalee mit einem Lächeln.

Christian öffnet die Tür nach draußen, die anderen drei folgen ihm. Die zwei Cowboys, die vorhin plötzlich die Hütte verlassen hatten, sitzen nun draußen in der Kälte auf ihren Pferden, mit denen sie versuchen, die Mustangs im Zaum zu halten. Aufgeschreckt von den Menschen um sie herum schrecken die Mustangs plötzlich auf und alles was eben noch geordnet und ruhig schien, läuft nun aus dem Ruder. Der Cowboy, den sie unten vor dem Tor getroffen hatten, flucht in Richtung der Jungs, steckt zwei Finger in den Mund und pfeift: “Billie, get the dogs!” “Scheisse, der lässt die Hunde los!”, ruft Christian unruhig in die Runde. “Ja, lasst uns abhauen”, sagt Austin, “aber nicht zu viel Aufmerksamkeit erregen — also bei den Hengsten meine ich.”

Wenige Augenblicke später, die vier Männer haben sich bereits langsam von der Treppe der Hütte herunter bewegt, kommen ein Junge und ein Mädchen mit zwei Hunden herbei. Sie bleiben stehen, halten die Hunde weiterhin an ihren Halsbändern fest und warten offensichtlich auf ein Zeichen. “Dad!”, ruft der Junge mit heller lauter Stimme in Richtung des eben noch fluchenden Cowboys. “Good boy, good girl”, ruft er den beiden mit tiefer rauer Stimme zu, währenddessen er sein Pferd in ihre Richtung dreht. Dann macht er ein lautes schnalzendes Geräusch und ruft: “Dakota! Rooster! Get ’em!” Jeff ist aufgebracht: “Shit, ich hoffe einerseits das sind die Namen der Hunde und andererseits, dass sie die Mustangs zusammentreiben und nicht Jagd auf uns machen.” “Schneller, Männer”, motiviert Austin die Gruppe, “wir sollten schleunigst abhauen, wer weiß wie die Herde reagieren wird!”

Austin und Jeff gehen vor. Mathew geht in die Hocke und Christian beugt sich über seinen Rücken. “Tut mir echt Leid, Mathew, aber ich komme mit dem verstauchten Fuß echt nicht weit.” “Schon ok. Ist ein gutes Training für mich. Heute ist Leg Day!” Sein typisches schelmisches Grinsen kann sich Mathew dabei nicht verkneifen und auch Christian fragt sichtlich belustigt: “Alter, wo hast du nur immer diese Sprüche her?!”

Fortsetzung: Eine Nacht auf der Ranch VIII – Das Schicksal der Mustangs

Eine Nacht auf der Ranch VI – Adams macht Musik

Eine Nacht auf der Rand VIWas bisher geschah …

Vier Freunde sind unterwegs in der Wüste Arizonas. Ganz in der Nähe des Grand Canyon bügeln sie in einem Luxusgeländewagen mit Phil Collins in den Ohren über staubige Pisten. In der Abenddämmerung unterbrechen sie ihre Fahrt nach Las Vegas. Sie sind hungrig. Ein Schild am Straßenrand weist auf ein Restaurant. Schon am Eingang der Ranch machen sie eine unheimliche Begegnung mit einem wortkargen Cowboy. Er lockt die vier Reisenden mit einem vielversprechenden Angebot an Steaks und Burgern auf die Ranch und verschwindet. Der Weg hinauf zum vermeintlichen Restaurant steckt voller merkwürdiger Begegnungen. Von allen Seiten fühlen sie sich beobachtet, sehen merkwürdige Spuren und Gestalten. Die Szenerie in dieser bitterkalten Winternacht könnte nicht mystischer sein, als plötzlich eine Herde schwarzer Wildpferde auf die Ranch strömt. Die gesamte Ranch ist mit Zäunen und Holzwänden begrenzt. Wie waren die Pferde auf die Ranch gelangt? Jemand musste ein Tor geöffnet haben. Aber warum? Und warum mitten in der Nacht? Die Männer können sich gerade noch hinter einer Hütte in Sicherheit bringen.

Nach einigem Beobachten und einer Klettereinlage schaffen sie es in das Restaurant. In diesem Augenblick sitzen sie gemeinsam am Tisch. Die Burger und Steaks wurden soeben serviert und jeder von ihnen hat bereits einen tiefen Schluck aus der Bierflasche genommen. Ein Zweimetermann mit eiskalten hellblauen Augen, bekleidet mit einem knöchellangen dunkelbraunen Ledermantel, steht plötzlich am Kopfende ihres Tisches. Er begrüßt sie – hier im Südwesten der USA – mit einem akzentfreien “Guten Abend!”.

“Adams mein Name”, sagt der Hühne und stützt eine Hand auf den Tisch, “Casey Adams”. Er beginnt, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Und die ungestellte Frage zu beantworten, weshalb er denn Deutsch spräche. “Ich habe viele Freunde in Deutschland”, unterstreicht er seine Sympathie diesem Land gegenüber. “Überall wo ich Country Music spiele, nehme ich ein paar Words with me.”, fügt er hinzu. “Das klingt ja interessant”, entgegnet Austin und fragt etwas zu keck: “Sind Sie der Grund, weshalb hier neben den Bildern mit bewaffneten Cowboys auch Gitarren an der Wand hängen?” “Das kannst Du so sagen, I am the maskot of diese Ranch.” So langsam scheint deutlich zu werden, worauf das Gespräch hinauslaufen soll: Mister Adams greift zu der hinter ihm an der Wand hängenen Gitarre. Er hängt sich ein Gestell um seinen Hals, an dem eine Mundharmonika genau in Höhe seines Mundes befestigt ist.

Ein entferntes Galoppieren. Während die Männer in der Hütte dinieren, kommt draußen hangabwärts Unruhe in die Herde Mustangs. Hinter einer etwa zwei Meter hohen Holzwand entlang reitet eine zierliche Frau mit schulterlangem weißen Haar – als hätte sie es eilig. Als sie stoppt schnaubt ihr Pferd tief und kaut nervös auf der Trense. Es hat Schaum vor dem Maul. Aufregung liegt in der Luft.

Casey Adams spielt die ersten Akkorde auf seiner Gitarre und fragt in die Runde: “Kennt ihr die Rockband Bon Jovi?” “Na klar, Bon Jovi ist sehr bekannt in Deutschland”, erwidert Mathew. “I used to play the guitar in this band viele Jahre bevor”, sagt Adams. Damit begeistert er die vier Freunde sichtlich und beginnt auf seiner Mundharmonika zu spielen. “Kann der uns nicht erstmal in Ruhe essen lassen?”, flüstert Christian Austin zu. “Du hast recht. Entweder ist der ziemlich geschäftstüchtig oder er will mit dem Lärm irgendetwas übertönen”, konspiriert Austin. Die zwei Cowboys an den anderen Tischen setzen Ihre Hüte auf und verlassen hastig die Hütte. Als sie die Holztür öffnen, dringt das Wiehern der wilden Herde in den Raum. Adams beginnt zu singen.

Fortsetzung: Eine Nacht auf der Ranch VII – Lasst die Hunde los!

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